Fähnriche im Porträt - Teil 2
Thomas G. - Logistik-Offizier
Die Logistik der Ausbildungsübung WECHSELLAND 26 wird aus der Wiener Neustädter Burg gesteuert. Hier hat Fähnrich Thomas G. vom Jahrgang “Major von Grabensprung” als S4 die Versorgungslage im Blick und koordiniert die logistischen Abläufe. Eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der man den Überblick behalten muss. Wir haben uns mit ihm getroffen, um mehr über seine Rolle in dieser Übung, seinen Werdegang vom Zugskommandanten zum Militärakademiker und die Herausforderungen zu erfahren, die diese Woche mit sich bringt.
Frage: Wir befinden uns mitten in einer Ausbildungsübung der Militärakademie. Für einen Studierenden einer österreichischen Hochschule ist das ein ungewöhnliches Ambiente. Gleich eine Frage zu einem anderen Ort an dem man Studierende eher vermuten würde: Wann waren Sie zum letzten Mal in der Bibliothek?
Fähnrich G.: [lacht] Das ist eine gute Frage. Wir sind seit Jänner dieses Jahres auf die verschiedensten Waffengattungs- und Fachschulen aufgeteilt, sprich nicht mehr an der Militärakademie. Im letzten Jahr war ich zum letzten Mal in der Bibliothek. Ich würde sagen im September, vor der Abgabe der Bachelorarbeit, weil ich dort noch die letzte Literatur recherchiert habe.
F: Warum haben Sie sich für das doch außergewöhnliche Studium an der Militärakademie entschieden?
Fähnrich G.: Also ich war davor schon im Bundesheer. Ich bin 2013 eingerückt und habe die Unteroffiziersausbildung und die Ausbildung zum Zugskommandanten abgeschlossen. Dann habe ich mir gedacht, das kann nicht das Ende sein und habe mich dazu entschieden, über den Weg der Zusatzprüfung in die Offizierslaufbahn zu wechseln und somit die Truppenoffiziersausbildung begonnen.
F: Zurück zur Übung, wie geht es Ihnen im Moment mit der Übung?
Fähnrich G.: Ich bin in der Einsatzunterstützungszentrale als S4 eingeteilt. Mir geht es sehr gut, weil ich mich sehr gut vorbereitet fühle aufgrund der Fachausbildung auf der Heereslogistikschule. Annähernd jedes Themengebiet, was ich hier zum Abarbeiten habe, habe ich gelehrt bekommen.
F: Was ist Ihre genaue Aufgabe bei der Übung?
Fähnrich G.: Ich bin der S4 der Übung, begleitet durch den S4 der Theresianischen Militärakademie, Oberst Horst Karas. Von Versorgungstagesbefehlen bis zur kompletten logistischen Lage für alle Teile der Übung arbeite ich alle Agenden ab. Das ist schon ganz schön umfangreich.
F: Sie waren schon bei ein paar Ausbildungsübungen der Militärakademie dabei. Was ist diesmal die größte Herausforderung?
Fähnrich G.: Die letzten zwei Jahre, waren wir Fähnriche draußen im Gefecht. Dieses Mal kämpfen wir nicht mit dem Sturmgewehr, sondern mit Papier und Zahlen. Es kommen täglich unzählige Meldungen herein, die schnellstmöglich abgearbeitet werden müssen, weil wir die Einsatzunterstützung sicherstellen müssen für die Leute draußen. Es ist, glaube ich, mitunter die schwerste Aufgabe die Leute draußen zufriedenzustellen. Dafür müssen wir zeitgerecht nachschieben und es ist ein Realeinsatz und keine Übung.
F: Kommen wir zu etwas Persönlichem. Können Sie uns ein bisschen etwas über sich selbst erzählen?
Fähnrich G.: Natürlich. Ich bin 32 Jahre alt und komme aus der Steiermark, lebe jetzt aber in Oberösterreich. Ich habe meine Karriere im Österreichischen Bundesheer 2013 begonnen. Zunächst als Aufklärer, 2015 wurde ich zum Fernmelder umgeschult und habe in diesem Bereich unzählige Laufbahnkurse absolviert. Bis zur Zugskommandantenausbildung 2020. Ich war dann als Zugskommandant-Stellvertreter eines IKT-Zuges eingesetzt. 2023 war dann der Beginn der Offiziersausbildung.
F: Ihre Bachelorarbeit ist bereits fertig. Was ist das Thema der Arbeit?
Fähnrich G.: Das Thema meiner Arbeit lautet “Die Führungsgrundsätze Überraschung und Täuschung in Bezug auf die 12. Isonzoschlacht”.
F: Was sind Ihre Ziele nach der Militärakademie?
Fähnrich G.: Wir haben unsere Ausmusterungsplätze bereits bekommen. Ich mustere nach Hörsching zum Luftumschlagplatz aus und werde die Agenden des stellvertretenden Kompaniekommandanten übernehmen. Ich werde mich dann im Bereich Luft weiterentwickeln. Das Thema Land habe ich nach 13 Jahren abgeschlossen.
F: Wo haben Sie Ihren Auslandsaufenthalt im Rahmen der Truppenoffiziersausbildung absolviert?
Fähnrich G.: Im Rahmen des Internationalen Semesters war ich Danzig in Polen an der Marineakademie. Ich habe diese Akademie gewählt, weil das Österreichische Bundesheer keine Marine besi und ich meinen Horizont erweitern wollte.
F: Was ist für den heutigen Übungstag noch geplant?
Fähnrich G.: Die Stabsbesprechung ist bereits abgeschlossen, wir haben heute noch eine SitaWare-HQ-Schulung im Bereich der Logistik. Danach fahre ich zum Gefechtsstand der Kampfgruppe Rot, um mit deren Fachoffizieren Absprachen zu treffen. Und um 15.00 Uhr gibt es noch eine Koordinierungsbesprechung mit der gesamten Übungsleitung.
F: Was ist Ihr persönliches Highlight in dieser Übungswoche? Was wird Ihnen in Erinnerung bleiben?
Fähnrich G.: Mein persönliches Highlight ist sicher die Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung, mit der ich betraut worden bin. Ich bekomme Einblick in die kleinsten Details einer so großen Übung. Das sieht man nicht, wenn man draußen im Gefecht ist.
Herzlichen Dank für das Gespräch und noch alles Gute für die Übung!