Fähnriche im Porträt - Teil 3
Luke R. - Infanterie-Offizier
Wir befinden uns bei der Ausbildungsübung WECHSELLAND26 - in der freien Natur, nicht weit entfernt stehen zwei Soldaten und beobachten das Umfeld, gerade ist ein gepanzertes Fahrzeug vorbIergefahren und über uns hört man die knatternden Geräusche eines Hubschraubers. Für einen Studierenden einer österreichischen Hochschule ist das ein ungewöhnliches Ambiente - nicht umsonst lautet das Motto der hochschulischen Ausbildung an der Militärakademie #andersstudieren.
Wir haben mit Fähnrich Luke R. vom Jahrgang “Major von Grabensprung” über die Übung und die Ausbildung an der Militärakademie gesprochen.
Frage: Wann waren Sie zum letzten Mal in der Bibliothek?
Fähnrich Luke R.: [lacht] Zum letzten Mal war ich im Dezember in der Bibliothek, als ich Material für meine Bachelorarbeit gesucht habe. Ansonsten bin ich, da ich im FH-Bachelorstudiengang “Militärische Führung” bin, nicht so oft in der Bibliothek. Dementsprechend verbringe ich mehr Zeit im Feld.
F: Warum haben Sie sich für das außergewöhnliche Studium an der Militärakademie entschieden?
Fähnrich Luke R.: Für mich war nach der Matura klar, dass ich nicht Zivildienst machen werde. Ich wollte etwas Spannendes tun und gleichzeitig Geld verdienen. Ich bin dann beim Führungsunterstützungsbataillon 2 in Sankt Johann im Pongau eingerückt. Das hat mir sehr gut gefallen, und da ich die Matura hatte, habe ich beschlossen, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Das ist mir gelungen, und ich bereue diese Entscheidung kein bisschen.
F: Wie geht es Ihnen im Moment bei der Übung?
Fähnrich Luke R.: Im Moment geht es mir sehr gut. Bei dieser Übung werden die zukünftigen Offiziere der Infanterie als taktische Kommandanten eingesetzt – in unterschiedlichen Funktionen. Ich bin als stellvertretender Kompaniekommandant eingesetzt, meine Kameraden übernehmen die Rollen der Zugskommandanten. Ein weiterer Fähnrich ist als Verbindungsoffizier bei den teilnehmenden Alpini im Einsatz.
Wir werden im Laufe dieser Übung intensiv auf unsere Führungsfähigkeit überprüft. Es gibt einige neue Herausforderungen, und es ist fordernd, weil viel zu tun ist. Aber es ist eine sehr gute Übung, bei der wir unser Handwerk trainieren können.
F: Wie groß ist die Truppe, die Sie jetzt führen?
Fähnrich Luke R.: Die 3. Kompanie hat eine planmäßige Stärke von 225 Mann, aufgeteilt in fünf Züge, dazu kommt das Kompaniekommando mit der Kommandogruppe, der Versorgungsgruppe und unterstützenden Elementen, wie zb. der Drohnen-Trupp.
F: Sie waren bereits bei mehreren Ausbildungsübungen der Militärakademie dabei. Was ist diesmal die größte Herausforderung?
Fähnrich Luke R.:Diesmal bin ich selbst derjenige, der die Einheit führt. Das ist eine große Herausforderung, da ich bei den vorherigen Übungen nicht in dieser Rolle war.
F: Sind die neuen Führungssysteme bei dieser Übung bereits im Einsatz oder werden sie miterprobt, zum Beispiel SitaWare?
Fähnrich Luke R.: Ja, tatsächlich haben wir mit SitaWare-Frontline ein System, das wir im Zuge der Übung einsetzen und auf Herz und Nieren erproben.
F: Können Sie uns etwas über sich selbst erzählen?
Fähnrich Luke R.: Gerne. Ich bin 24 Jahre alt, geboren und aufgewachsen im Pongau. Sport war schon immer ein wichtiger Aspekt in meinem Leben. Seit 2021 bin ich beim Österreischen Bundesheer und 2023 habe ich das Auswahlverfahren für die Militärakademie absolviert. Jetzt, kurz vor dem Ende der Ausbildung, freue ich mich auf die Ausmusterung im September. Es war eine sehr lange und fordernde Ausbildung, aber im Rückblick war es die beste Entscheidung.
F: Ist Ihre Bachelorarbeit bereits fertig? Was ist das Thema?
Fähnrich Luke R.: Die Bachelorarbeit ist fertig. Mein Thema war: „Psychische Erkrankungen als Langzeitfolge militärischer Einsätze und wie Rehabilitationsmaßnahmen in verschiedenen Armeen aussehen.“ Ich habe die Rehabilitationsmaßnahmen der Deutschen Bundeswehr, der britischen Streitkräfte und der US-amerikanischen Streitkräfte miteinander verglichen, Ähnlichkeiten und Gegensätze herausgearbeitet.
F: Was sind Ihre Ziele nach der Militärakademie?
Fähnrich Luke R.: Zuerst muss ich mich in den Arbeitsalltag bei der Truppe einfinden. Es ist ein Unterschied zwischen der Ausbildung und der Realität in der Truppe. Mein Ziel ist es, zunächst Fuß zu fassen und mich dann weiterzuentwickeln. Ob das gelingt, wird die Zukunft zeigen.
F: Haben Sie bereits einen Auslandsaufenthalt absolviert? Wo waren Sie?
Fähnrich Luke R.: Mein Auslandssemester habe ich im fünften Semester absolviert. Ich war an der United States Military Academy in West Point, New York, wo ich etwa vier Monate verbringen durfte. Das war eine sehr lehrreiche und spannende Zeit, da ich die Offiziersausbildung in den USA erleben konnte. Zusammen mit meinen Kameraden habe ich das Land bereist und viele Eindrücke gewonnen. Für diese Möglichkeit im Rahmen des Studiums bin ich sehr dankbar.
F: Was ist für den heutigen Übungstag noch geplant?
Fähnrich Luke R.: Heute üben wir die Phasen des Angriffes im Kompanierahmen. Wir beginnen mit der Bereitstellung der Kompanie in einem Bereitstellungsraum, gefolgt vom Anmarsch zum Absitzraum. Danach folgt die Annäherung an die Ablauflinie, der Einbruch ins Angriffsziel, der Kampf um das Angriffsziel und zum Schluss das Abriegeln von Gegenstößen.
F: Was war Ihr persönliches Highlight in dieser Übungswoche? Was wird Ihnen in Erinnerung bleiben?
Fähnrich Luke R.: Mein Highlight in dieser Woche war die Formierung der Kompanie. Mit eigenen Augen zu sehen, wie groß so eine verstärkte Kompanie tatsächlich ist – 225 Mann zu führen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein weiteres Highlight war, dass ich für die Planung und Durchführung der Gefechtsvorführung im Zuge des Besuches der Verteidigungsministerin verantwortlich sein durfte.