Theresan Military Academic Forum (TMAF) 2026
„Training 2.0: Embracing Emerging Tech to Educate Tomorrow´s Officers”
Das Theresan Military Academic Forum (TMAF) 2026, unser jährlich durchgeführtes militärwissenschaftliches Symposium fand von 5. bis 7. Mai 2026 statt. An diesen drei Veranstaltungstagen stellten Vortragende aus 14 Nationen in 32 Präsentationen ihre Forschungsarbeit vor. Die Referent:innen kamen von militärischen und zivilen Hochschul- und Bildungseinrichtungen sowie der Industrie und stellten Möglichkeiten vor, wie zukünftige militärische Führungskräfte bestmöglich auf ein technologiegetriebenes Einsatzumfeld vorbereitet werden können. Mit zielgerichteter Forschungsarbeit sollen die derzeitigen Bildungsansätze auf ihre Gültigkeit geprüft werden, um nicht hinter aggressivere Anwender dieser Innovationen zurückzufallen.
Call for Papers
Mit dem Call for Papers wurden Expert:innen und Wissenschaftler:innen bereits im Herbst des Vorjahres zur Teilnahme eingeladen. Die Bewerbung erfolgte mit dem Einreichen eines vorgegebenen Abstracts in englischer Sprache. Die Resonanz auf den Call for Papers war beeindruckend. Das wissenschaftliche Komitee bewertete die eingereichten 66 Abstracts, welche den Anforderungen entsprachen und erstellte anschließend das Programm. Das TMAF wurde heuer ausschließlich auf Englisch durchgeführt. Das Programm des Symposiums folgte der gewohnten Sequenz von zwei bis drei thematisch zusammenpassenden Vorträgen und einer anschließenden Diskussion des Publikums mit den Referent: innen . Wie in den Vorjahren kooperierten wir dabei auch heuer wieder mit der wissenschaftlichen Plattform The Defence Horizon Journal.
Exhibition
Im Zusammenwirken mit dem Austrian Institute of Technology (AiT), unter der Federführung von Markus Murtinger wurde heuer auch die Industrie zur Mitwirkung eingeladen. Neun ausgewählte nationale und internationale Unternehmen präsentierten die Ergebnisse ihrer Forschungskooperationen sowie Unterstützungsmöglichkeiten zur Weiterentwicklung der militärischen Ausbildung, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Die Integration der Industrie förderte den fachlichen Austausch zum Thema wesentlich, weil die Vorträge durch die Demonstration praktischer Anwendungen für die Teilnehmer:innen erfassbar wurden. Andererseits profitieren die Aussteller vom Austausch mit potenziellen Anwender:innen dieser Produkte.
Das erstellte Programm für das Symposium sowie die erstmalige Integration der Industrie und die Austauschmöglichkeit führten zu einem entsprechenden Teilnehmerfeld. Die Vortragenden und die Teilnehmer:innen aus 27 Nationen füllten den Sparkassensaal bis an die Kapazitätsgrenze.
Eröffnung
Am Dienstag, 5. Mai 2026, eröffnete der Leiter des Instituts für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk), Oberst des Generalstabsdienstes (ObstdG) Dr. Markus Reisner, PhD, das Forum und begrüßte das internationale Teilnehmerfeld. Anschließend richteten sich der Leiter des Fachhochschul-Kollegiums, Dr. Michael König, sowie der Akademiekommandant, Generalmajor MMag. Philipp Segur-Cabanac, an die Teilnehmer. Die Keynote des Generalsekretärs im Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV), Dr. Arnold Kammel, wurde mit einer Videobotschaft der Frau Bundesminister, Mag. Klaudia Tanner, thematisch eingeleitet. Moderiert wurde die Veranstaltung auch heuer wieder von ObstdG Mag. (FH) Matthias Wasinger, MOS PhD. Für die musikalische Umrahmung der Eröffnung sorgte ein Bläserensemble der Gardemusik.
Bildung von Offizieren für eine neue Ära der Kriegsführung
Thematisch wurde das Symposium durch den Beitrag des Präsidenten der Helmut-Schmidt-Universität, Prof. Dr. Klaus B. Beckmann, eingeleitet. Beckmann ist der Ansicht, dass ein mehr an akademischer Ausbildung für die zukünftigen Offiziere erforderlich ist. Durch einen integrativen Ansatz sollen die hochschulische sowie die taktisch- bzw. gefechtstechnische Ausbildung harmonisiert und die initiale Einsatzbereitschaft der Streitkräfte erhöht werden. Der Hauptzweck der forschungsbasierten Weiterentwicklung der europäischen Offiziersausbildung muss die Erhöhung der unmittelbaren Einsatzbereitschaft sein. Diese Einsatzbereitschaft ist eine strategische Investition in die Abschreckung, dass einerseits langjährige, ressourcenintensive Konflikte verhindert und andererseits diese gegebenenfalls auch bestanden werden können.
Dr. Martin C. Wolff, Leiter des Clausewitz Netzwerk für Strategische Studien an der Führungsakademie der Bundeswehr, setzte mit seinen Ausführungen fort. Wolff thematisierte die zunehmende Bedrohung unserer Demokratien durch die Verschmelzung staatlicher mit digitaler Souveränität.
Kapitän zur See Peter Papler von der New University Kranj in Slowenien setzte mit einer möglichen Interpretation der Thesen des preußischen Militärstrategen Carl von Clausewitz für das gegenwärtige digitale Gefechtsfeld fort. Papler ist der Ansicht, dass Bildung das kritische Denken fördern und die Kompetenz zur Anwendung der künstlichen Intelligenz (KI) erhöhen wird. Das Ausbildungspersonal sollte durch die Integration von Experimenten und Kriegsspielen den nachhaltigen Wissensaufbau fördern. Nach den drei Beiträgen beantworteten die Referenten zahlreiche Fragen des Publikums, bevor es in die stärkende Mittagspause ging.
Einsatzausbildung im digitalen Zeitalter
Am Nachmittag setzen Oberst im Generalstabsdienst Patrick Hofstetter, PhD, und Hauptmann Daniel Constantin Blanc, von der Schweizer Militärakademie an der ETH Zürich, fort. Beide präsentierten die Ergebnisse ihrer Forschung zur Diskrepanz zwischen dem Ausbildungsstand am Beginn und den tatsächlichen Erfordernissen in einem laufenden Einsatz. Die Mindestdauer der Einsatzvorbereitung, die kurzfristige Reduzierung der Kampfkraft in einem Einsatz und andererseits die langfristige Erhöhung des Kampfwertes aufgrund von einsatzbegleitender Ausbildung durch einsatzerfahrene Ausbilder sowie die Möglichkeiten der kurzfristigen Kompensation des Menschen durch erhöhten Einsatz von Technik wurden dabei präsentiert.
Oberstleutnant des Generalstabsdienstes (ObstltdG) Oliver Hochfellner, MA, von der Landesverteidigungsakademie in Wien, präsentierte die Erkenntnisse seiner Analyse der Auswirkungen der KI, des maschinellen Lernens sowie autonomer Systeme auf die operative Einsatzplanung. Hochfellner ist der Ansicht, dass diese technischen Einflüsse eine Anpassung unserer Ausbildung und der dafür angewandten Methoden erfordert. Die Kreativität und das Urteilsvermögen werden durch Herausforderungen und auch durch das Scheitern in der praktischen Anwendung bei Übungen trainiert. Die technische Transformation erfordert eine kritische und verantwortungsbewusste Integration in diese Prozesse. Verfahren, dass die Handlungsfähigkeit in einem möglichen zukünftigen Konflikt erhalten werden kann.
Den Abschluss dieses Themenblocks bildete der Beitrag von Oberstleutnant Pedro Nuno Antunes Ferreira von der Militärakademie in Portugal. Ferreira präsentierte die Ergebnisse seiner evidenzbasierten Studie mit dem Ziel, angehende Offiziere bestmöglich für den technologieintensiven und komplexen Konflikt der Zukunft vorzubereiten. Die wesentlichen Erkenntnisse sind, dass die Technologie der Gegenwart, mit KI, Simulation, autonomen Systemen und elektronischer Kriegsführung, in der Ausbildung abgebildet werden muss. Darüber hinaus soll das Studium vor allem aktivierende und reflektierende Methoden, ethische und politische Bildung sowie eine kontinuierliche Lernkultur beinhalten und die intellektuelle Entwicklung agiler und kritisch denkender Führungskräfte fördern. Die Vorträge und die anschließende Diskussion sorgten für ausreichend Gesprächsstoff in der anschließenden Nachmittagspause mit den Vortragenden sowie den Ausstellern der Exhibition.
Bildung ist die Grundlage für die Hightech-Offiziere von morgen
Leutnant Linus Copes von der Schweizer Militärakademie an der ETH Zürich setzte nach der Pause seine Ausführungen zur Erhaltung der Entscheidungsfähigkeit in komplexen und kognitiv belastenden Situationen fort. Durch das Training der Handhabung und die Reduzierung natürlicher interner und externer kognitiver Belastungen soll die Entscheidungsfähigkeit von Offizieren, auch unter Einsatzbedingungen, erhalten bleiben.
Daran anschließend referierten ObstltdG Markus Schmid aus der Direktion 6 im BMLV gemeinsam mit Oberleutnant Hosam El-Mia von der Heerestruppenschule (HTS) über ihre Ableitungen für die Offiziersausbildung aus den gegenwärtigen Konflikten in der Ukraine und im Libanon. Die beiden Vortragenden sind der Ansicht, dass durch einen Mix aus technischen Maßnahmen, einer realitätsnahen Führungsausbildung sowie unkonventionellen Ansätzen, vom Blick über den Tellerrand, dem transparenten und von autonomen Systemen dominierten Gefechtsfeld begegnet werden muss.
Auch heuer gab es wieder einen Beitrag der Militärakademie in Südkorea. Oberstleutnant Hansol Lee, PhD, und die Studierende Hyeyun Son präsentierten technische Möglichkeiten zur Verbesserung der kommunikativen Interoperabilität multinationaler und somit multilingualer Streitkräfte. Das Ziel der Englischausbildung sollte die Kommunikationsfähigkeit unter Einsatzbedingungen sein. Die Sprachbarriere sollte möglichst niedrig sein, um so die Entscheidungsfähigkeit und die Koordination der Kräfte zu erhalten und damit die Zahl der Ausfälle an Soldaten möglichst geringgehalten werden kann.
Den Abschluss dieses Tages bildete der Beitrag von Dr. Heiko Borchert von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Der stellvertretende Direktor des KI-Observatoriums präsentierte die Ergebnisse seiner Forschung zur Entwicklung zukünftiger, von Technik bzw. Software-dominierter Streitkräfte. Überlegen und abschreckend wirken Streitkräfte für mögliche Konfliktgegner, welche diese Fähigkeiten laufend weiterentwickeln, um im multinationalen Verbund abzustimmen. Aus diesem Grund müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen und die diesbezüglichen Beschaffungen auf multinationaler Ebene abgestimmt werden.
Das Abendprogramm war dann eine Gruppenführung durch die Ausstellung "Von der Kaiserresidenz zur Offiziersschmiede" durch Angehörigen der TherMilAk.
Auswirkungen der Drohnenkriegsführung auf die Ausbildung
Die Einleitung des zweiten Veranstaltungstages erfolgte durch ein Team, das sich aus ObstdG Dr. Markus Reisner, PhD, dem Studierenden Fähnrich Moritz Böhm von der TherMilAk sowie dem Gefreiten Bastian Wagner, BA, von der Fachhochschule Joanneum gebildet wurde. Zunächst wurde in ihren Ausführungen die Relevanz der Drohnenkriegsführung anhand dokumentierter Einsatzbeispiele und die daraus abzuleitenden Schlussfolgerungen für das Österreichische Bundesheer (ÖBH) demonstriert. Den Abschluss bildeten die Folgerungen, wie kommerziell verfügbare Technologie in die praktische Ausbildung integriert werden könnte. Im Rahmen der praktischen Anwendung werden dann einerseits die Gefechtstechnik erworben, die Drohne laufend weiterentwickelt und die Grundlagen für entsprechende Richtlinien und Vorschriften ermittelt. Die rasante technische Weiterentwicklung erfordert Lösungen mit den gegenwärtig verfügbaren Mitteln und lässt daher keine optimierten Lösungen mit langen Beschaffungs- und Implementierungszeiten zu.
Oberleutnant Nico Hürlimann und Leutnant Paula Kern von der Schweizer Militärakademie an der ETH Zürich stellten anschließend dar, wie technische Entwicklungen die operative Einsatzführung sowie die Weiterentwicklung der entsprechenden Vorschriften und Doktrinen beeinflussen. Geänderte Doktrinen erfordern eine Anpassung der Offiziersausbildung an diese, wie an historischen Beispielen der amerikanischen Streitkräfte dargestellt. Zum Abschluss präsentierten die Vortragenden mögliche Ableitungen für die Offiziersausbildung. Demnach sollten zukünftige Offiziere die gegenwärtigen Doktrinen anpassungsfähig und flexibel anwenden können. Im Rahmen des lebenslangen Lernprozesses sollten die Erkenntnisse aus der Einsatzvorbereitung und den möglichen Einsätzen wieder in die Ausbildung einfließen. Die Voraussetzungen zur Mitwirkung an diesem ständigen Prozess erfordern die Förderung von analytischem Denken, Anwendung der Auftragstaktik und Resilienz im Rahmen der Offiziersausbildung.
Den Abschluss dieses Themenblockes bildeten Dr. Wolfgang Müller vom German Institute for Defense and Strategic Studies (GIDS) und Sergej Sumlenny, United Unmanned Systems, mit ihren Ableitungen aus dem gegenwärtigen Konflikt in der Ukraine. Drohnen sind ihrer Meinung nach aus der zukünftigen Einsatzführung nicht mehr wegzudenken und müssen daher in die militärischen Verbände der Streitkräfte fix integriert werden. Der Kampf der verbundenen Waffen unter Einbeziehung von Drohnen muss aus Sicherheitsgründen geübt werden. Implementierte Systeme erhöhen zwar die Autonomie der Kräfte und die Feuerkraft, rechtfertigen sie keine Reduzierung der Mannstärke dieser Verbände. Nach den drei Beiträgen beantworteten die Referenten erneut die zahlreichen Fragen des Publikums, bevor es in die Pause ging.
KI-gestützte Simulationen für die Offiziersausbildung
Nach der Pause setzte ObstdG Bernhard Schulyok, MA, aus dem BMLV gemeinsam mit Katharina-Franziska Zeman aus der Privatwirtschaft fort. Die beiden Vortragenden fordern die Förderung der Entwicklung kognitiver Resilienz im Rahmen der Offiziersausbildung, um so Entscheider vor gezielter Manipulation zu schützen. Diese Maßnahmen umfassen unter anderem kritisches Denken, Selbstreflexion sowie den Umgang mit Angst und Emotionen. Zusammen mit dem Erwerb eines technischen Grundverständnisses sind Präventionsmaßnahmen gegenüber gezielter kognitiver Manipulation erforderlich und sollten ein reflektiertes Entscheiden ermöglichen.
Yordan Ivanov Katsarov von der Bulgarian Air Force Academy präsentierte Möglichkeiten, wie KI-generierte Simulation eine Brücke von der Theorie in die Praxis schlagen kann. Derzeit sind in der Ausbildung die taktischen Lösungsmöglichkeiten von Entscheidungsaufgaben vorgegeben und daher limitierend. Darüber hinaus wird hauptsächlich die richtige, statische und theorielastige Anwendung des Prozesses vermittelt, jedoch werden keine notwendigen lagebezogenen Adaptierungen geübt. Die KI könnte entsprechend des Verhaltens des Studierenden dynamisch gestaltete Gegenmaßnahmen einspielen, welche die reale Unsicherheit sowie ethische und moralische Herausforderungen bei der Entscheidungsfindung aufwerfen. Bei der Anwendung würden dann die adaptive Anwendung der Prozesse unter realitätsnahen Bedingungen sowie die Qualität der Entscheidung aus rechtlicher und ethischer Sicht überprüfbar werden.
Den Abschluss dieses Vortragsblocks bildeten die Beiträge von Oberleutnant Ivan Colak-Antic, Oberleutnant Simone Locatelli und Hauptmann Lauriane Fivaz Kern von der Schweizer Militärakademie an der ETH Zürich. In ihren Ausführungen präsentierten sie die Anforderungen für mögliche KI-gesteuerte Plattformen zur realistischen, adaptiven taktischen Entscheidungsfindung über mehrere Zyklen für die Führungsebene Zug und Kompanie, inklusive Feedback. Solche Systeme würden das selbstständige Training ermöglichen und könnten traditionelle zeit- und personalintensive Kriegsspiele sinnvoll ergänzen. Nach den drei Beiträgen beantworteten die Referenten zahlreiche Fragen des Publikums vor der stärkenden Mittagspause.
Integration generativer künstlicher Intelligenz in die militärische Ausbildung
Den Nachmittag leitete Lukas Kröninger vom AiT mit den Möglichkeiten der Extended Reality (XR) für die strukturierte und schrittweise Ausbildung von Soldaten und Ersthelfern in risikoreichen und kognitiv anspruchsvollen Umgebungen. Grundlegende psychomotorische und prozedurale Fähigkeiten sollten demnach zunächst in bestimmten Teilabschnitten automatisiert werden. Erst nach diesen Abschnitten soll in hochbelastende, reale Einsatzkontexte gewechselt werden. Durch den strukturierten XR-Einsatz würde die kognitive Überlastung verhindert und der Transfer in die reale Welt optimiert werden.
Assoc. Prof. Dr. Clemens Kerschbaum von der New Design University in St. Pölten setzte dann zusammen mit ObstdG Bernhard Schulyok, MA, aus dem BMLV zu gegenwärtigen Konflikten fort. Moderne Konflikte finden zunehmend im Cyber- und Informationsbereich statt und die Auswirkungen dieser Operationen zeigen sich in erster Linie im kognitiven- und nicht im physischen Bereich, wobei Gesellschaften, Militärpersonal und staatliche Institutionen ins Visier genommen werden. Die Abwehr solcher „unsichtbaren“ feindlicher Handlungen ist komplex und erfordert einen umfassenden Ansatz mit Fachwissen aus verschiedenen Disziplinen für die Erarbeitung von Lösungen und Mitteln zur Abwehr kognitiver Kriegsführungsbedrohungen. Die Vortragenden sind der Ansicht, dass dieser Innovationsansatz zudem einen positiven Nebeneffekt hat. Damit würde das allgemeine Bewusstsein der Gesellschaft für diese Bedrohung geschärft und die kognitive Resilienz zumindest der Prozessbeteiligten gefördert.
Daran anschließend präsentierte Major Adriana Filipa Gameiro ihre Studie zur Integration generativer KI, insbesondere von ChatGPT, in die Ausbildung der Studierenden im ersten Ausbildungsjahr an der Militärakademie in Portugal. Die Vortragende fordert eine fundierte Schulung der Kadetten im Umgang mit generativer KI. Die KI sollte den Lernprozess, insbesondere bei aktiven Lernmethoden und Brainstorming-Techniken, unterstützen. Damit diese Integration jedoch von Nutzen ist, darf generative künstliche Intelligenz den Wissensvermittlungsprozess nicht ersetzen oder die Fähigkeiten der Kadetten beeinträchtigen, Ideen zu entwickeln und selbstständig denken zu können. Auch nach diesen Vorträgen stellten sich die Vortragenden den Fragen des Publikums.
Ausbildung von Offizieren für vorausschauendes Handeln
Den letzten Informationsblock dieses Tages leitete Jacqueline Mayrdorfer von den Munich Innovation Labs gemeinsam mit dem Mark Pfeiffer von Shield-AI ein. Die beiden Vortragenden fordern den Übergang von retrospektivem Lernen zu einer vorausschauenden Modellierung der Zukunft, weil die Innovationszyklen auf dem Gefechtsfeld eine schnellere Anpassung der derzeitigen Doktrinen, Ausbildungs- und Beschaffungssysteme erfordern. Mit ihrem Drei-Säulen-Modell könnte man diesen Herausforderungen begegnen. Das ist zunächst die Integration von verschiedenen Sensoren sowie die regelmäßige abgeleitete Aktualisierung, entsprechend den Beobachtungen auf dem Gefechtsfeld. Die zweite Säule ist der Erhalt und die mögliche Anwendung der „altbewährten“ manuellen und analogen Fähigkeiten, dass die Handlungsfähigkeit erhalten bleibt, wenn die Technik versagt. Mit der dritten Säule sollen die Beobachtungen in Modellierungs- und Simulationsumgebungen in digitale Zwillinge realer Einsatzgebiete eingespeist werden, dass innerhalb kürzest möglicher Zeit abgeleitete Taktiken validiert werden können.
Den Abschluss des inhaltlich gehaltvollen Tages bildete der Beitrag von Major Matthias Sonnberger von der TherMilAk. Sonnberger demonstrierte die Möglichkeiten der Integration von Mixed Reality (MR) in die Ausbildung militärischer Führungskräfte. MR ermöglicht das Überwinden materieller Einschränkungen, etwa wenn schwere Waffensysteme nur eingeschränkt verfügbar sind oder im gewählten zivilen Ausbildungsraum aus vielerlei Gründen nicht zur Demonstration eingesetzt werden können. Darüber hinaus können bewährte didaktische Prinzipien mit technischen Möglichkeiten sinnvoll ergänzt werden und ermöglichen eine objektive Bewertung sowie Feedback für den Auszubildenden. Auf diese Möglichkeiten der Ausbildungsunterstützung ist die MR aber nicht reduziert. Derzeit wird an der möglichen Individualisierung zur Vorbereitung, Ergänzung und Vertiefung der Präsenzausbildung sowie der Trainingsmöglichkeiten von belastende mehrzyklische militärische Entscheidungsaufgaben gearbeitet.
Ethische Bildung und digitales Urteilsvermögen
Den dritten und letzten Veranstaltungstag leiteten Johanna Gruber mit Major des Generalstabsdienstes Jakob Bergmann vom BMLV ein. Das Team ist der Ansicht, dass eine ethische Bildung sowie digitales Urteilsvermögen erforderlich sind und vermittelt werden muss. Das Bewusstsein für Datenverzerrungen durch den Menschen und die KI ist die Kernkompetenz militärischer Führung. Damit soll erreicht werden, dass die Vorteile von KI-Systemen genutzt werden, der Entscheider jedoch nicht ausschließlich von diesen geleitet wird, weil die moralische, rechtliche und politische Verantwortung beim Menschen verbleibt.
Der Studierende an der Croatian Military Academy "Dr. Franjo Tuđman", Kadett Bruno Repić, referierte über eine „neue“ Art von Bedrohung. Die Omnipräsenz von günstigen, sehr wendigen und tödlichen unbemannten Flugsystemen (UAS) in aktuellen Konflikträumen erfordert die Integration von KI-gestützten Gegenmaßnahmen sowie die Vermittlung eines Technologieverständnisses in den Lehrplänen für zukünftige Offiziersanwärter. Durch KI sollten die Ergebnisse der verfügbaren Frequenz- und Akustik-Sensoren für den Menschen erfassbar werden; diese kann und darf den Menschen bei der erforderlichen Beurteilung und Entscheidung über den Einsatz physischer Gegenmaßnahmen jedoch nicht ersetzen.
Die letzte Präsentation in diesem Informationsblock wurde durch Hauptmann Karlotta Garinet, MCMI-Studentin der Helmut-Schmidt-University & McCloy-Fellow der Harvard Kennedy School, gemeinsam mit Sandrina Murphy, Defence Studies Department am King’s College London, vorgetragen. Die beiden Vortragenden verwiesen auf die Limitationen der traditionellen militärischen Führungsausbildung hin, weil vorgegebene Gegner in der Ausbildung zu vorhersehbarem Handeln der Absolventen führen. Die Risiken der Integration von KI in die Ausbildung sind unter anderem, die mögliche Automatisation des Handelns sowie die Verkümmerung des Denkens und der Kreativität. Die Vorteile der KI überwiegen jedoch die Einschränkungen, wenn diese bewusst für dynamische mehrzyklische Lageentwicklungen, ein in Echtzeit variabler handelnder sowie Desinformation einsetzender Übungsgegner den Auszubildenden fordert. Nach diesem themenschweren Input stellten sich die Vortragenden den Fragen des Publikums.
Spielerische Gestaltung der Ausbildung
Nach der Pause setzt Jakob Carl Uhl vom AiT mit seinem Vortrag zu seinem physiologisch gesteuerten VR-Training fort. Uhl versucht im Rahmen seiner laufenden Studie Soldaten nicht einfach willkürlichen Stressoren auszusetzen, sondern diese im Training sequentiell mit auf deren Wirkung untersuchten Stressoren auf hochbelastende Einsatzszenarien im Ortskampf vorzubereiten.
Anschließend präsentierte Major des Generalstabsdienstes Johannes Ginthör zusammen mit dem Reserveoffizier Leutnant Andreas Mijatovic und Studierenden der TherMilAk die Ergebnisse des spielerischen Erwerbs taktischen Denkens mit kommerziellen Computerspielen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass kommerzielle Computerspiele gezielt für das Training der Entscheidungsfähigkeit und die Vermittlung des sogenannten Kampfes der verbundenen Waffen unterstützen können. Dieser Lerneffekt tritt jedoch nur ein, wenn diese Spiele als seriöse Lernumgebungen und nicht als Unterhaltung betrachtet werden.
Oberleutnant Michaela Rázusová, PhD-Studierende von der Armed Forces Academy of Gen. M. R. Štefánik aus der Slowakei schloss mit ihren Ausführungen, zum systematischen und verantwortungsbewussten Einsatz von KI im Englischunterricht für die Offiziere von morgen, den Themenblock ab. Die KI kann und wird zum Erreichen der Ausbildungsziele der Studierenden als effektiver Gesprächspartner und Rollenspielsimulator sowie als Feedback-Instrument beim individuellen Lernen eingesetzt. Darüber hinaus kann die KI für das Lehrpersonal als Szenario-Designer für die Generierung von STANAG-konformen militärischen Aufgaben sowie für das Erstellen von Hör- und Lesematerial herangezogen werden. Mit diesen Diskussionsgrundlagen ging es in die Pause. Die präsentierten Ansätze führten wiederum zu einer regen Diskussion zwischen den Vortragenden mit dem Publikum, bevor es in die Mittagspause ging.
Einflusses von Algorithmen in der militärischen Ausbildung
ObstdG Bernhard Schulyok, MA, aus dem BMLV sowie die beiden Militär-Experten Dr. Lukas Grangl und Dr. Markus Gruber fordern, dass die Offiziersausbildung systematisch darauf vorbereiten muss, ihre Entscheidungsüberlegenheit aufrechtzuerhalten, selbst wenn Gegner die persönliche Wahrnehmung angreifen. Dies erfordert drei institutionelle Veränderungen. Das wären die Erhebung zuvor festgelegter und erhobener kognitiver Verteidigungsindikatoren, die Neugestaltung militärischer Übungen mit integrierten kontrollierten kognitiven und manipulierten Angriffsszenarien sowie die Ausbildung von Personal für die metakognitive Nachbereitung dieser Einlagen.
Major Milán Mór Markovics, PhD, von der Ludovika University of Public Service in Budapest, führte aus, dass die KI-gestützte Offiziersausbildung so gestaltet werden muss, dass militärische Tugenden verinnerlicht und verantwortungsbewusstes Urteilsvermögen gefördert wird. Da die KI kein neutrales Werkzeug ist und die ethische Perspektive der Offiziersanwärter beeinflusst, bedarf es Schutzmaßnahmen. Unter menschlicher Aufsicht kann die KI zur Unterstützung eingesetzt werden, um die moralische Handlungsfähigkeit eines Offiziers zu stärken.
Den Abschluss dieses Informationsblocks bildete der Vortrag von David Shakarishvili aus Georgien, PhD-Student an der Klaipeda University in Litauen. Er fordert die Vermittlung einer moralischen Entscheidungsfindung, dass ethische Dilemmata in der autonomen Kriegsführung vom Menschen bewältigt werden können.
Ethische Dilemmata in der autonomen Kriegsführung
Dieser Informationsblock wurde durch Hauptmann Georgios Evgenios, MA, von der Hellenic Army Academy eingeleitet. Abgeleitet vom Konflikt in der Ukraine sieht er die größte Herausforderung darin, neue Technologien in die europäische Offiziersausbildung zu integrieren, ohne die zeitlosen Prinzipien der Kriegsführung, das menschliche Urteilsvermögen und Führungsverhalten zu untergraben. Mit durchdachten Integrationsstrategien sollen die erforderlichen Feldfertigkeiten, Ethik und kritisches Denken in den Vordergrund rücken und der Automatisierung Grenzen gesetzt werden. Durch den europäischen Erfahrungsaustausch zwischen den Institutionen ist sicherzustellen, dass Technologie die Offiziersausbildung letztlich nicht schwächt, sondern stärkt.
Die letzte Präsentation des diesjährigen Forums hielten die beiden Korporäle und Junior Researcher Jonas Pluis und Judith Oomen von der Netherlands Defence Academy. Sie präsentierten die Ergebnisse einer an ihrer Akademie durchgeführten qualitativen Studie dazu, wie militärische Ethik in einer Welt mit geopolitischen Spannungen und technologischen Veränderungen auf dem Gefechtsfeld relevant und wirksam bleiben kann. Die Teilnehmer dieser Studie bewerten die zuvor absolvierte Ethikausbildung als wichtig und sind der Ansicht, dass sie in Krisenzeiten nicht aufgegeben werden sollte. Sie erlernten in der Ethikausbildung die Grundlagen der Entscheidungsfindung, insbesondere unter Druck. Nach Ansicht der Teilnehmer hätte die Ausbildung aber eine höhere Relevanz, wenn mehr praktische Fähigkeiten und weniger theoretisches Wissen vermittelt würden. Daraus kann abgeleitet werden, dass der Charakterbildung mehr Bedeutung eingeräumt wird, als den regelorientierten Ansätzen in der Ethikausbildung. Die abschließende Diskussion der Vortragenden mit dem Publikum beendete das dreitägige Forum.
Mission Vorwärts
Die Fachhochschule für angewandte Militärwissenschaften muss in ihren Studiengängen eine praxisbezogene Ausbildung auf Hochschulniveau gewährleisten. Es müssen dabei die Fähigkeiten vermittelt werden, welche unsere Absolvent:innen dazu befähigen, die aktuellen und zukünftigen Aufgaben des Berufsfeldes entsprechend dem Stand der Wissenschaft zu lösen. Symposien generieren militärische Expertise aus dem internationalen wissenschaftlichen Diskurs zur Sicherstellung einer forschungsbasierten Lehre, fördern den Erfahrungsaustausch und unterstützen somit das institutionelle Lehren und Lernen.
Das TMAF orientiert sich bei der Themenwahl an den gegenwärtigen Herausforderungen militärischer Führungskräfte, die es zum Bestehen in möglichen zukünftigen Einsätzen befähigen soll. Die Auseinandersetzung auf wissenschaftlichem Niveau schafft somit wichtige Grundlagen für die Herstellung der Einsatzbereitschaft von Streitkräften. Es hat daher auch einen Mehrwert für das ÖBH.
Derzeit arbeiten viele Nationen der westlichen Wertegemeinschaft intensiv an den Ableitungen aus den Konflikten in der Ukraine, im Iran und im Libanon für die zukünftige Kriegsführung und den Konsequenzen für die Streitkräfteentwicklung. Die Beiträge des TMAF werden veröffentlicht und haben damit einen nachhaltigen Effekt. Die Relevanz der Veranstaltung wird durch die hohe internationale Beteiligung und die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus dem In- und Ausland unterstrichen, die den eingeschlagenen Weg bei der Durchführung des TMAFs bestätigen. Das TMAF 2027 findet von 11. – 13. Mai 2027 statt. Das Thema lautet: „Triumphing over the Terminator: Leaders, Algorithms, and War: Command in the Era of Autonomous Systems“.
„Das Übel kommt nicht von der Technik, sondern von denen, die sie missbrauchen.“
(Jacques-Yves Cousteau).
Das Institut für Offiziersausbildung bedankt sich bei nachfolgenden Unternehmen, welche beim TMAF im Rahmen der Exhibition mitgewirkt haben: