Johann Franz Freiherr Kempen von Fichtenstamm
Nur wenigen ist bekannt, dass sich am Akademiefriedhof die letzte Ruhestätte des Gründers der österreichischen Gendarmerie befindet.
Gründung der Gendarmerie
Der Geist der Revolution erfasste 1848 große Teile Mitteleuropas und griff auch auf Österreich über. Es gelang zwar die Erhebungen niederzuschlagen, allerdings forderten die Ereignisse zahlreiche Reformen. Unter anderem erfolgte in den Kronländern der Monarchie die Auflösung der Grundherrschaften.
Mit dem System der Grundherrschaft war die Patrimonialgerichtsbarkeit verbunden. Die meist adeligen Grundherrschaften waren für die Gerichtsbarkeit und Verwaltung und somit im Wesentlichen für die Sicherheit auf dem Lande zuständig.
Der durch die Auflösung der Grundherrschaft geschaffenen Lücke im Bereich der Verwaltung und Justiz begegnete der Staat 1849/50 mit der Errichtung eines neuen Verwaltungsapparats, der in seinen Fundamenten bis heute besteht. An der Spitze des Verwaltungsapparats standen nunmehr die k. k. Statthaltereien, denen wiederum Kreisregierungen und nachfolgend Bezirkshauptmannschaften untergeordnet waren. Justizielle Angelegenheiten fielen in den Aufgabenbereich der Bezirks- und Landesgerichte. Im Unterstellungsverhältnis zu den genannten Institutionen und somit für das Sicherheitswesen entschied man sich für die Errichtung eines staatlichen Wachkörpers. Am 8. Juni 1849 genehmigte Kaiser Franz Joseph I. die Errichtung einer Landesgendarmerie.
Johann Kempen von Fichtenstamm
Organisatorisch war die Gendarmerie Teil des Heeres und dem Kriegsministerium unterstellt. Lediglich in Angelegenheiten der allgemeinen Sicherheitsverwaltung war das Innenministerium weisungsbefugt.
Deshalb wurde am 17. September 1849 mit Johann Kempen von Fichtenstamm auch ein bewährter Armeeoffizier zum Gendarmerie-Generalinspektor bestellt und mit der Errichtung des Korps beauftragt.
Johann Kempen wurde am 26. Juni 1793 in Pardubitz in Böhmen als Sohn eines k.k. Rittmeisters geboren. An der Militärakademie absolvierte er die Ausbildung zum Offizier und wurde im Mai 1809 zum Infanterieregiment Nr. 44 ausgemustert. Bewährt in zahlreichen Funktionen und Feldzügen, war er bis zum Feldmarschallleutnant und Militärdistriktskommandant von Ofen aufgestiegen.
Durch einen Rückgriff auf Armeeangehörige gelang es Kempen innerhalb eines Jahres die personelle und logistische Meisterleistung: Etwa 12.500 Gendarmen nahmen im Mai 1850 flächendeckend in allen Gebieten des Reiches ihren Dienst zur „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit“ auf.
In Anerkennung seiner Verdienste wurde Johann Franz Kempen von Fichtenstamm durch Kaiser Franz Joseph im Jahr 1854 das Großkreuz des Leopold-Ordens verliehen, womit eine Erhebung in den Freiherrenstand verbunden war. Anlässlich seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahr 1859 wurde er noch zum Feldzeugmeister befördert. Johann Kempen verstarb am 29. November 1863 nach kurzer schwerer Krankheit in Schwarzau am Steinfeld und wurde am 2. Dezember auf dem Akademiefriedhof beigesetzt.
Neben seinem Grab am Akademiefriedhof erinnert an Johann Franz Kempen von Fichtenstamm heute auch noch das Kempenkreuz im Föhrenwald. Dies steht an der Stelle, an der Kempen im Jahr 1859 im Gedenken an seinen Eintritt in die Armee vor 50 Jahren eine Bethalle hat errichten lassen.
Gedenkfeier
Im Rahmen der Polizeioffiziers-Ausbildung des Jahrgangs 2024 fand am 15. September 2026 am Akademiefriedhof eine Gedenkfeier am Grab von Johann Franz Freiherr Kempen von Fichtenstamm statt.
Die angehenden Polizeioffiziere nahmen im Rahmen einer an der Militärakademie abgehaltenen Lehrveranstaltung an der feierlichen Kranzniederlegung teil. Diese bot ihnen die Gelegenheit, sich mit den historischen Wurzeln der Polizei auseinanderzusetzen und die Bedeutung eines bewussten Umgangs mit der eigenen Geschichte zu vertiefen.
Die Kranzniederlegung erfolgte durch Bundespolizeidirektor Michael Takács und Generlmajor Karlheinz Dudek. Von Seite der Militärakademie nahm der Akademiekommandant, Generalmajor Philipp Ségur-Cabanac, teil. Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte die Polizeimusik Wien.
Verfasser:
Oberst Thomas Lampersberger
Quellen:
- Josef Karl Mayer; Das Tagebuch des Polizeiministers Kempen von 1848 bis 1859; Wien 1931 (Online bei google-books)
- Wiener Zeitung vom 6. Dezember 1863 (Online bei ANNO)
- https://www.bmi.gv.at/magazin/2024_05_06/14_gendarmeriegeschichte.html
- https://www.bmi.gv.at/newsc225.html?id=4c6f4d4432742b4e73656b3d
- https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Franz_Kempen_von_Fichtenstamm
- https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&aid=wrz&datum=18631206&seite=06&