Jahrgang 1961
Am Sonntag, dem 14. Mai 1961, wurden 91 Offiziere von der Militärakademie ausgemustert und der Truppe übergeben - der Ausmusterungsjahrgang 1961. Dieser war in mehrfacher Sicht ein besonderer Jahrgang:
Der Jahrgang 1961 war der erste nach dem "Lehrplan 1958" ausgebildete Jahrgang.
Nach Grundausbildung (2 Monate) und 7-monatiger Ausbildung zu Reserveroffizieranwärtern durch die Maturanten-Kompanien in jedem Gruppenbereich oder an den Waffenschulen, erfolgte die Zuteilung zum 2-monatigen Prüfungskurs an der Militärakademie. Nach bestandener Aufnahme erfolgte die 3-jährige Ausbildung zum Truppenoffizier. Der Lehrplan im 1. Jahrgang war für alle Militärakademiker gleich. Die Lehrpläne für den 2. und 3. Jahrgang unterschieden sich nach den Waffengattungen.
Der Jahrgang 1961 war der erste Jahrgang, der in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 1958 in die wiedererrichtet Burg einzog.
„Mit einem Güterschnelltransport sind wir nach Wiener Neustadt gekommen und um Mitternacht durch die Bahnhofsgasse laut singend gegen die hell erleuchtete, wiedererrichtete Babenbergerburg marschiert“, erinnert sich General in Ruhe Adolf Radauer.
General in Ruhe Günther Greindl ergänzt: „In Ebelsberg hatten wir 40-Mann-Schlafsäle und hier hatten wir plötzlich Zimmer mit sechs Betten. Alles war sauber – das war ein einmaliger Qualitätssprung.“
Geprägt wurde der Jahrgang durch seinen Jahrgangskommandanten, Major Ludwig Gschwandtner. Ein Offizier mit Kriegserfahrung, der von den angehenden Offizieren viel Härte und Disziplin erwartete. Von seiner Seite als nötige Vorbereitung auf den Ernstfall gesehen, empfanden es die Auszubildenden belastend und teilweise schikanös. “Befehl und Gehorsam, Strenge und Disziplin waren das Um und Auf im Tagesablauf” so General i.R. Radauer.
Dies hat den Jahrgang aber zusammengeschweißt und vielleicht hat der Jahrgang 1961 deshalb den Burgball wieder eingeführt sowie die Tradition der Ausmusterungsscherze begründet.
Nach der Ausmusterung kamen die jungen Offiziere in ein Bundesheer, das gerade seine erste Reform erlebte - eine Zeit der Veränderung, die nicht von allen positiv gesehen wurde. Auch machte sich der Generationsunterschied deutlich erkennbar. Waren die Vorgesetzen mehrheitlich noch durch die Zeit in der Wehrmacht geprägt, kamen mit dem Ausmusterungsjahrgang 1961 nun demokratisch erzogene junge Offiziere zur Truppe.
Treffen an der Militärakademie
Am Dienstag, dem 19. Mai 2026, kamen 14 von den noch 41 lebenden Angehörigen des Ausmusterungsjahrganges 1961 zurück an die Militärakademie, um das 65-jährige Ausmusterungsjubiläum zu feiern.
Oberst i.R. Richard Wardein verfasste eigens für das Treffen ein Gedicht:
"Wir Leutnante sind alt geworden,
unsere Anzahl wurde schon halbiert
doch jetzt sind wir zusammengekommen,
denn heute, da wird jubiliert.
Der Eid “Treu bis in den Tod”
im Kampf nie abverlangt -
demütig senken wir das Haupt,
dem Herrgott sei gedankt.
Hinter uns liegt ein erfülltes Leben,
wir hoffen, dass uns noch Jahre gegeben;
denn wir wollen die Welt noch lange beglücken,
bis wir schließlich zur großen Armee abrücken."
Nach dem Zusammentreffen im Clubraum und der Begrüßung durch den Akademiekommandanten ging es zum gemeinsamen Mittagessen in den neuen Speisesaal, der beeindruckte. Nach der Besichtigung des neuen Unterkunftsgebäudes versammelte sich der Jahrgang und dessen Begleiter in der Georgskathedrale, wo mit einer Andacht den bereits verstorbenen Kameraden gedacht wurde.
Seinen Abschluss fand das Treffen bei einem gemeinsamen Abendessen, wo viele Erinnerungen ausgetauscht wurden und dem Versprechen sich in 5 Jahren zum 70. Ausmusterungsjubiläum auf jeden Fall wiederzusehen.