Am Freitag, dem 3. Februar 1956, wurden die 24 Angehörigen des Lehrganges A in der Fasangarten-Kaserne - der heutigen Maria-Theresien-Kaserne - ausgemustert. Damit wurde die ersten im Bundesheer der 2. Republik ausgebildeten Offiziere in die Truppe übernommen.
Zwei von den noch vier lebenden Angehörigen des ersten Ausmusterungsjahrganges der nach dem 2. Weltkrieg und dem Ende der Besatzungszeit wiedererstandenen Militärakademie kamen am Dienstag, dem 3. Februar 2026, nach Wiener Neustadt, um des 70. Jahrestages ihrer Ausmusterung zu gedenken.
Es waren dies General i.R. Karl Majcen und Divisionär i.R. Rudolf Striedinger, der von seinem Sohn, dem aktuellen Chef des Generalstabes General Rudolf Striedinger, begleitet wurde.
Der Lehrgang A
Der Lehrgang A fand seinen Anfang am 22. Oktober 1953 mit der Ablegung der Aufnahmeprüfung durch 33 Hilfsgendarmen für den 1. Zugskommandantenlehrgang an der Gendarmerieabteilung K in Enns.
Die Gendarmerieabteilung K war Teil der am 1. August 1952 ins Leben gerufenen B-Gendarmerie. Diese war eine nur in den westlichen Besatzungszonen aufgestellte, militärisch strukturierte Organisation, die ein militärisches Vakuum nach einem Abzug der Besatzungstruppen verhindern sollte. Sie gilt als die Vorläuferorganisation des heutigen Bundesheeres.
Waren es anfänglich ehemalige Offiziere der Wehrmacht, die Führungsaufgaben wahrnahmen, so entstand bald der Bedarf junge Führungskräfte auszubilden.
Am 1. Oktober 1953 erfolgte daher in der Kaserne in Enns die Aufstellung der Gendarmerieabteilung K(urse), die diese Ausbildung durchführen sollte. Zu ihrem Kommandanten wurde Major Erwin Starkl ernannt.
Bezeichnet als “Frequentanten” erlebten die Angehörigen des Lehrganges A eine intensive, von Kriegserfahrungen geprägte aber auf demokratische Werte achtende Ausbildung. Bis zum 17. Dezember 1954 erfolgte die Ausbildung in Enns. Dabei stand auf Grund Kriegsschäden nur ein Teil des Kasernengebäudes zur Verfügung. Die Unterbringung erfolgte in einem gemeinsamen Schlafsaal mit Kohleofen, im Waschraum gab es zumindest Fließwasser, wenn auch nur kalt.
Im Jahr 1955 erfolgte zum Zwecke der praktischen Ausbildung die Dienstverwendung bei den diversen Verbänden der B-Gendarmerie, den sogenannten Gendarmerieschulen. Die Funktionsbezeichnung der Lehrgangsangehörigen lautete dabei “Offiziersdiensttuender Zugskommandant” - dies war darin begründet, dass auf Grund der bis Mitte Mai 1955 Besatzung Österreichs durch die Alliierten offiziell keine militärischen Tätigkeiten durchgeführt werden durften.
Dies änderte sich erst mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955. Am 27. Juli 1955 erfolgte die Umbenennung der Gendarmerieabteilung K in Provisorische Grenzschutz-Schulabteilung, sowie auch die Gendarmerieschulen in Provisorische Grenzschutz-Abteilungen unbenannt wurden.
Ausmusterung 1956
Die Ausmusterung des Lehrganges A erfolgte am 3. Februar 1956 in der Fasangarten-Kaserne in Wien.
Um 09.00 Uhr erhielten die Lehrgangsangehörigen aus den Händen des Abteilungskommandanten Major Starkl die Beförderungsdekrete zum Leutnant bzw. Fähnrich für diejenigen, die die für die Ernennung zum Leutnant erforderliche vier Dienstjahre noch nicht hatten.
Ein ursprünglich auf dem Antreteplatz vorgesehener Festakt mit Beginn 11.00 Uhr musste auf Grund der extremen Kälte - die Militärmusik konnte ihre Instrumente nicht spielen - in den Turnsaal verlegt werden. Die Bedeutung der erstmaligen Ausmusterung von Bundesheeroffizieren wurde durch die Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Körner, Bundeskanzler Julius Raab und weiterer Mitglieder der Bundesregierung zum Ausdruck gebracht.
Dem Festakt folgte ein gemeinsames Mittagessen. Den Abschluss fand die Ausmusterung des Lehrganges A mit einem Empfang am Abend durch den Bundeskanzler im Festsaal der Fasangarten-Kaserne.
Andacht & Kranzniederlegung
Das Ausmusterungsjubiläum begann mit einer Andacht in der Georgskathedrale zum Gedenken an bereits verstorbene Jahrgangskameraden. Gehalten wurde die Andacht von Militärkurat Pater Vinzenz.
Im Anschluss daran ging es auf den Akademiefriedhof, wo bei der letzten Ruhestätte des damaligen Abteilungskommandanten, Major Erwin Starkl, ein Kranz niedergelegt wurde.
Musikalisch umrahmt wurden beide Gedenken durch ein Bläserensemble der Militärmusik Burgenland.
Erinnerungen
Nach einem Rundgang, um einen Eindruck von der modernen Infrastruktur am Campus MilAk zu erhalten, ging es noch in den Clubraum, wo im Gespräch mit Offizieren der Militärakademie Erinnerungen an die Zeit vor 70 Jahren geweckt und die eine oder andere “Geschichte von damals” erzählt wurde.
Im Anschluss daran ging es noch nach Wien in die Maria-Theresien-Kaserne, wo natürlich ein Blick in den Turnsaal, der Ort der Ausmusterung vor 70 Jahren, nicht fehlen durfte.
Wir gratulieren den beiden Offizieren zum Jubiläum und wünschen weiterhin viel Gesundheit!