Adam Brandner Edler von Wolfszahn
Adam Brandner wurde am 3. April 1857 in der im Banat gelegenen Ortschaft Franzfeld (heute Kacarevo, Serbien) geboren.
Er entstammt einer bäuerlichen, deutschstämmigen Familie, deren Vorfahren im 18. Jahrhundert aus Württemberg in die Region eingewandert waren (Banater Schwaben).
Offiziersausbildung
Als ältester Sohn in der Familie war Adam Brandner eigentlich dazu bestimmt den elterlichen Hof zu übernehmen.
Er besuchte jedoch zunächst die Militär-Realschule in Pančevo und dann ab 1874 die Kadettenschule in Wien, die er 1878 abschloss.
Ausgemustert zum k. u k. Infanterieregiment Nr. 16 nach Bjelovar (heute Kroatien) nahm Adam Brandner mit diesem sogleich am Okkupationsfeldzug zur Besetzung von Bosnien und der Herzegowina teil.
Das Gefecht am Vučji Zub
Im Jahr 1882 war Adam Brandner bei der Bekämpfung der Aufstände in der Hercegowina und in Süd-Dalmatien im Einsatz und zeichnete sich dabei besonders bei einem Gefecht am 9. und 10. Mai 1882 beim Berg Vučji Zub aus.
Der Vučji Zub ist ein 1.802 Meter hoher Gipfel im Orjen-Gebirge - ein stark verkarstetes Hochgebirge an der heutigen Grenze zwischen Montenegro und Bosnien und Herzegowina. Lange Zeit ein Grenzgipfel („Dreiländereck“) zwischen den Besitzungen Venedigs, respektive der k.k. Monarchie sowie dem Osmanischen Reichs und Montenegro findet er sich seit dem 17. Jahrhundert in kartografischen Werken.
Die Aufgabe von Adam Brandner dabei war es, in dem schwer zugänglichen, gebirgigen Gelände im Rahmen einer größeren Operation mit einem Teil der 7. Kompanie des k.u.k. Infanterieregimentes Nr. 16 gegen Aufständische vorzugehen, die sich in taktisch günstigen Höhenstellungen verschanzt hatten. Der Vormarsch erfolgte unter äußerst schwierigen Bedingungen, da die Truppe dabei in starkem, direktem feindlichem Feuer stand. Trotz dieser Gefahr setzte Brandner den Angriff entschlossen fort und ließ sich weder durch das Gelände noch durch den Widerstand der Aufständischen aufhalten. Im weiteren Verlauf gelang es ihm, in den Rücken der gegnerischen Stellungen vorzustoßen. Durch diesen überraschenden Angriff wurden die Insurgenten gezwungen, ihre Positionen aufzugeben. Nach der erfolgreichen Vertreibung der Aufständischen besetzten Brandners Truppen den Vučji Zub. Brandners Vorgehen führte somit unmittelbar zur Einnahme dieses Teil des Orjen-Gebirges, der für die Beherrschung des Raumes und der Niederschlagung des Aufstandes in der Krivošije von hoher Bedeutung war.
Für diese Leistung wurde Adam Brandner mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet und zum Oberleutnant befördert.
Adelsstand
Im Laufe seiner weiteren Karriere wurde Adam Brandner mehrfach versetzt und diente ua. in Kronstadt, Triest, Pilsen, Pisek, und Leoben.
Im Jahr 1906 wurde der mittlerweile bis zum Oberstleutnant aufgestiegene Adam Brander für seine 30-jährige verdienstvolle Militärzeit in den erblichen Adelsstand erhoben.
Er wählte in Erinnerung an das Gefecht um den Vučji Zub den Beinamen „Edler von Wolfszahn“ - „Wolfszahn“ ist die deutsche Übersetzung von Vučji Zub
Regiments- und Brigadekommandant
Im Jahre 1907 wurde Adam Brandner zum Oberst befördert und zum Kommandanten des in Klagenfurt stationierten k.k. Landwehrinfanterieregimentes Nr. 4 ernannt. In dieser Funktion hatte er die Aufgabe das Regiment zu einem Verband der neu aufgestellten Hochgebirgstruppe umzuwandeln.
Im Jahr 1911 wurde er zum Kommandanten der k.k. 92. Landwehrinfanteriebrigade (Olmütz) ernannt und 1912 zum Generalmajor befördert.
Im Ersten Weltkrieg
Im Juli 1914 kam Adam Brandner mit seiner Brigade an die russische Front. Im Rahmen der k.u.k. 1. Armee erfolgte die Teilnahme an der Schlacht von Kraśnik. Brandners Truppenführung zeichnete sich dabei durch taktisches Geschick aus, was im September 1914 die Ernennung zum Kommandanten der k.k. 46. Landwehr-Infanterietruppendivision zur Folge hatte.
Er wurde außerdem am 30. September 1914 mit dem Ritterkreuz des Leopolds-Ordens mit Kriegsdekoration und kurz darauf mit dem Militärverdienstkreuz III. Klasse ausgezeichnet. Von der Deutschen Armeeführung erhielt er für die Hilfestellung, die er einem deutschen Bataillon leistete, das Eiserne Kreuz II. Klasse und etwas später das der I. Klasse.
Trotz mehrfacher Verwundungen und gesundheitlicher Rückschläge – unter anderem durch eine Lungenerkrankung und eine Thrombose – kehrte Brandner immer wieder in den Dienst zurück. Im Februar 1915 musste er schließlich wegen einer Verwundung die Front verlassen und wurde nach der Genesung Inspizierender General der Ersatztruppen und damit zuständig für die Rekrutierung und Ausbildung neuer Truppen für die Ostfront.
Am 21. Mai 1915 wurde er zum Feldmarschallleutnant befördert und im Herbst desselben Jahres zum Militärkommandanten von Krakau ernannt. Krakau war damals der größte und wichtigste Militärbezirk im Osten, da er die Drehscheibe für den kompletten Nachschub an sämtlichem Material und Truppen für den gesamten russischen Kriegsschauplatz war.
Neben seinen militärischen Aufgaben setzte er sich auch für die würdevolle Bestattung Gefallener ein. Er ließ zahlreiche Soldatenfriedhöfe anlegen, die sorgfältig gestaltet und künstlerisch ausgeführt wurden. Für diese Verdienste erhielt er 1917 das Ehrenzeichen 1. Klasse mit Kriegsdekoration für Verdienste um das Rote Kreuz verliehen.
Ruhestand
Im Mai 1918 wurde Feldmarschallleutnant Adam Brandner aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt. Als Anerkennung für seine geleisteten Dienste erhielt er das Komturkreuz des Franz-Josef-Ordens mit Stern und Kriegsdekoration verliehen.
Nach dem Krieg lebte er zeitweise bei Verwandten in Bosnien und in der Tschechoslowakei. 1920 kehrte er nach Wien zurück und zog in eine Wohnung im Unteren Belvedere ein. Seine letzten zwei Lebensjahre verbrachte er in Weidling bei Klosterneuburg.
Ableben
Feldmarschallleutnant Adam Brandner Edler von Wolfszahn verstarb am 8. August 1940 im Alter von 83 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlags. Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus erhielt er vom Deutschen Reich kein Staatsbegräbnis, welches ihm vom militärischen Rang her zugestanden wäre. Seine letzte Ruhestätte befindet sich am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf.
Adam Brandner war verheiratet und Vater von 3 Söhnen und 2 Töchtern.