Heute Abschied - Morgen Verantwortung
Am Donnerstag, dem 24. September 2026, war es an der Zeit die 73 Leutnante des Jahrganges “Major von Grabensprung” - 72 für das Österreichische Bundesheer und 1 für Montenegros Armee - von der Theresianischen Militärakademie zu verabschieden.
Scheinwerferlicht, aufgeregtes Warten, Fackeln. Der Maria-Theresien-Platz gefüllt bis an die Grenzen seiner Kapazität. Das Ehrenbataillon gestellt durch den 1. Jahrgang und den Jahrgang „Edler von Wolfszahn“ marschiert angeführt von der Militärmusik Burgenland Schritt für Schritt auf den Aufstellungsplatz zu. Dicht dahinter der neue Burgherrenjahrgang „Nordmann“.
Es ist angerichtet - der große Moment auf den jeder Fähnrich zueifert. Das große Ziel, der finale Höhepunkt einer langen fordernden Ausbildung ist endlich gekommen.
Neue Führung an der Militärakademie
Zu Beginn des Festaktes wurde über den Jahrgangspatron Major Wilhelm Cavallar von Grabensprung informiert. Erstmalig meldete dann der neue Bataillonskommandant Oberst Markus Hornof die angetretene Truppe an die Bundesministerin für Landesverteidigung Klaudia Tanner. Allerdings hat nicht nur das Akademikerbataillon einen neuen Kommandanten bekommen. Auch die Theresianische Militärakademie gesamt hat mit Generalmajor Philipp Ségur-Cabanac seit vergangenem Jahr einen neuen Kommandanten, welcher in seiner Begrüßungsansprache die zahlreichen Ehrengäste aus Politik und Militär willkommen hieß.
Säbelübergabe
Seit der Wiedereinführung der Säbelübergabe, erwirkt durch den Jahrgang Rodakowski 1989, ist es gelebte Tradition, dass alle neuen Berufsoffiziere des Bundesheeres im Zuge der Ausmusterung ihren Säbel verliehen bekommen. Dieser ist mit dem goldenen Portepee Standessymbol des Offiziers.
Nach der Segnung der Säbel durch Militärdekan Stefan Gugerel übergaben der Jahrgangskommandant Oberst David Birsak zusammen mit dem Bataillonskommandanten Oberst Markus Hornof die Säbel einzeln an die Leutnante. Die Durchführung dessen erfolgte unter den epischen Klängen der Militärmusik Burgenland, welche ua. „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel darbot. Anschließend wurde um den Jahrgangskommandanten Aufstellung für das Kerbenschlagen bezogen. Hierzu rief Oberst Birsak den Leutnanten erneut in Erinnerung, dass der Säbel Symbol ihres Standes als Offizier und Zeichen ihrer Verantwortung sei. Mit den Worten „Die erste Kerbe dem Freund, jede weitere dem Feind. Im Zweifel Angriff.“ stimmte Oberst Birsak das Kerbenschlagen an, welches mit großem Applaus durch alle Zuschauenden bejubelt wurde.
1337 Tage
Leutnant Thomas Geyer, der Jahrgangssprecher, ließ in seiner Rede das Publikum in die Vergangenheit eintauchen. 2023 trafen die Angehörigen des heutigen Ausmusterungsjahrganges erstmals an der Heeresunteroffiziersakademie im Zuge der Kaderanwärterausbildung 2/Berufsoffiziersanwärter aufeinander. Nach bestandenem Assessment bestand der damals neue Jahrgang, der auch als C-Kompanie bezeichnet wurde, aus 89 Fähnrichen. In den vergangenen sechs Semestern als Studierende der Militärakademie erlernten die Fähnriche das Handwerk des Offiziersberufes und bekamen verschiedenste Einblicke in das Berufsbild. Eine der zentralsten Lektionen war die innere Einstellung weiterzumachen, wenn es schwierig wurde. Situationen die anfangs sinnlos und irrelevant erschienen, entpuppten sich rückwirkend als Teil des großen Ganzen, denn der Weg zum Leutnantsstern ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Leutnant Geyer unterstrich, dass der Beruf Haltung und Verantwortung fordere und der Jahrgang sehr stolz sein kann, die Reise geschafft zu haben.
Weiters hob er besonders die zentrale Rolle des Jahrgangskommandanten Oberst David Birsak hervor, welcher die neuen Offiziere des Grabensprung Jahrganges durch seinen besonderen Einsatz markant geprägt hat. Abschließend bedankte er sich bei den Familien und Freunden des Jahrganges. Diese würde häufig vergessen werden, obwohl sie es sind, die die jungen Leutnante während der Ausbildung auffingen und lange Abwesenheiten tolerierten.
Fahnenübergabe
Ein weiterer fixer Bestandteil jeder Ausmusterung ist die Fahnenübergabe.
Traditionell trägt der jeweils älteste Jahrgang, der sogenannte Burgherrenjahrgang, die Verantwortung für die Akademiefahne. So tat dies auch der Jahrgang “Major von Grabensprung”.
Im Zuge des Festaktes wurde die Fahne zu den Klängen des Musikstückes „Oh du mein Österreich“ vom Fahnenträger des Ausmusterungsjahrganges an den neuen Burgherrenjahrgang, den Jahrgang „Nordmann“, übergeben. Der neue Fahnenträger übernimmt die Fahne stellvertretend, für den Jahrgang und hütet sie bei allen Ausrückungen für das kommende Jahr.
Die Militärakademie sah in ihren 275 Jahren des Bestehens bereits fünf Fahnen.
Die 1. Fahne wurde am 23. Mai 1780 im Beisein von Maria Theresia übergeben. Da diese Fahne nach knapp 100 Jahren im Gebrauch verschlissen war, erfolgte am 23. Mai 1880 die Übergabe der 2. Fahne. Als Fahnenpatin fungierte Kaiserin Elisabeth.
Am 24. September 1933 erfolgte die Übergabe einer durch den Verein Alt-Neustadt gestifteten Fahne. Diese Fahne wurde auch nach der Wiederrichtung der Militärakademie im Jahre 1956 bis ins Jahr 1976 geführt. Da bei einer weiteren Verwendung ihre Erhaltung gefährdet gewesen wäre, entstand die Absicht eine Kopie anzufertigen. Die Bundesregierung entschied jedoch eine neue Fahne anfertigen zu lassen. So erhielt daher am 29. Juni 1976 die Theresianische Militärakademie eine durch die Bundesregierung gestiftete neue Fahne übergeben.
Nach 30 Jahren in Verwendung hatte die vierte Fahne unter dem oftmaligen Ausrücken stark gelitten. Die Beschaffung einer neuen Fahne als Kopie der alten war zwingend erforderlich. Diese neue und heute noch in Verwendung stehende Fahne ist durch den damaligen Bundesminister für Landesverteidigung Günther Platter gestiftet worden und wurde am 9. September 2006 der Theresianischen Militärakademie übergeben.
Das Fahnenblatt trägt auf der Aversseite das Bundeswappen. Die Reversseite zeigt das Akademiewappen: Auf silbergrauem Grund das schwarz konturierte Kreuz des Militär-Maria-Theresienordens, darunter die Jahreszahl 1752 und über dem Wappen die gold gestickten Initialen Maria Theresias. Die übrigen Seiten des Schildes umgibt ein goldenes Spruchband mit dem in schwarzer Farbe eingestickten Wahlspruch der Akademie „Treu bis in den Tod“.
Zapfenstreich
Das Ende des offiziellen Teiles des Festaktes markierte die Aufführung des großen österreichischen Zapfenstreiches durch die Militärmusik Burgenland unter der Leitung von Militärkapellmeister Oberst Johann Kausz. Unterstützt wurden die Militärmusiker dabei durch Schülerinnen und Schüler der BHAK für Führung und Sicherheit mit ihren Fackeln.
Der Abschlusstest
Während der abschließenden Meldung des Bataillonskommandanten des Akademikerbataillons an die Bundesministerin für Landesverteidigung ersuchte einer der neuen Leutnante die Truppe nicht abtreten zu lassen. Die Ministerin kam diesem Ansuchen mit den humorvollen Worten „Dann hoid ned.“ nach und es folgte der Ausmusterungsscherz.
In dieser Tradition überlegt sich jeder Jahrgang etwas vollkommen eigenes. Dieses Jahr wurde ein Stockbett auf den Maria-Theresien-Platz gestellt, auf welchem sich ein Fähnrich, der kurz vor den Ausmusterungsfeierlichkeiten steht, hinlegte. Ein Traumgespräch mit der Gründerin der Militärakademie Maria Theresia wurde dargestellt, in welchem sie dem bald Auszumusterndem einen finalen Abschlusstest stellte. In diesem stellte sie sechs Fragen, eine zu jedem Semester, und prüfte die gebotenen Antworten tunlichst. Mitunter nicht ganz ernst gemeinte Fragen und humorvolle Antworten sorgten unter den zahlreichen Besuchern der Veranstaltung für Heiterkeit.
Boom, boom, boom - even brighter than the moon
Fotoalbum
Die Fotos unserer Fotografen Paul Kulec, Gerhard Seeger, Daniel Trippolt und Rainer Zisser finden sich im Flickr-Fotoalbum MAF2026
Verfasser:
Leutnant Tobias Hausteiner